22

Friday, June

Blockaden lösen
Blockaden lösen

Blockaden lösen

Bilder: detailblick-foto – stock.adobe.com

Klassischer Alltagsstress ist längst nicht mehr nur ein Phänomen, das Erwachsene betrifft. Auch Kinder haben heutzutage meist Enormes zu leisten und leiden häufig unter den gestellten Anforderungen. Dies zeigt sich nicht selten in schlechten Noten, trotz intensiver Lerneinheiten. Wir haben uns mit der Coaching-Expertin Angelika Platzek über dieses Thema unterhalten und erfahren, dass es tolle Möglichkeiten gibt, um unseren Kindern das Kindsein wieder zu ermöglichen und sie von negativen Stresssymptomen zu befreien.

 

Denkt man an das Thema Coaching, hat man klassisch das Bild eines aufstrebenden Managers im Kopf. Doch auch für Schüler und Jugendliche kann ein Coaching sehr hilfreich sein. Warum?

Die jungen Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf schwierige Situationen. Die Klassiker sind Aggression oder Rückzug. Viele haben auch körperliche Symptome wie immer wiederkehrende Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit u.s.w. Die Ursachen dafür können sehr oft in der Psyche liegen. Für Kinder wäre es sehr hilfreich, sich einer neutralen Person anzuvertrauen. Am idealsten in einem professionellen Coaching. Sie müssen da kein schlechtes Gewissen haben, jemanden, den sie lieben, zu verletzen. 

 

Welche Blockaden können dafür verantwortlich sein, dass Kinder in der Schule erlernte Leistungen nicht abrufen können?

Da könnte es sehr viele Ursachen geben. Zum Einen könnten Schlafprobleme die Ursache für Vieles sein, aber auch Mobbing. Weiters können familiäre Probleme eine Rolle spielen. Kinder bekommen viel mehr mit als Erwachsene denken. Wenn die Eltern über eine Trennung nachdenken, spüren Kinder es schon früher und fühlen sich unsicher. Unsicherheit ist dann oft Auslöser für Ängste, Aggressionen oder Rückzug. Der Stresslevel der jungen Menschen ist in diesem Fall so hoch, dass die Konzentrationsfähigkeit leidet, die Vergesslichkeit zunimmt und sie mit Schlafproblemen kämpfen. Aber auch körperliche Beschwerden und Gewichtsprobleme nehmen in derartigen Situationen zu. Für Viele ist es dann nurmehr sehr schwer möglich, sich den Lernstoff zu merken oder ihn bei Bedarf abzurufen. Die körperlichen Abläufe sind bei Kindern genau gleich wie bei den Erwachsenen. Eine wissenschaftliche Studie sagt zudem, dass gestresste Schwangere meist Kinder bekommen, die ihr Leben lang Belastungen schlechter aushalten. 

 

Wie finde ich heraus, ob mein Kind eine Blockade hat oder schlichtweg zu wenig lernt?

Das ist eine gute Frage. Auffällig wäre ein plötzlicher Leistungsabfall. Da könnte man die Ursache mit der Reaktion sehr einfach in Verbindung bringen.  Aber so einfach ist es häufig nicht. Ich persönlich bin der Meinung, kein Kind kommt mit Aggressionen und Ängsten zur Welt. Lebensumstände, Schicksalsschläge, irritierende Erlebnisse oder schlechte Erfahrungen prägen das Kind. Lernen sollte Spaß machen. Experte Gerald Hüther meint dazu: „Wer die Freude am Lernen verliert, verliert auch die Freude am Leben!“ 

 

Positive Emotionen und Spaß motivieren zum Lernen. Der permanente Fokus auf Fehler und nicht auf Erfolge erzeugt Frust. Mich regt unglaublich auf, dass viele Hunde in der Hundeschule besser behandelt werden als unsere Kinder. Hunde erzieht man mit dem Belohnungssystem und bringt ihnen mit Motivation und Freude Neues bei. Unser Bildungssystem schreit nach Reformen. Sie sehen, diese Frage ist viel zu komplex für eine klare Antwort.

 

Wir sind auf Ihrer Homepage in Zusammenhang mit dem Abbau von Leistungsstress auf das Speedcoaching aufmerksam geworden. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Speedcoaching ist eine Art von Coaching, die sich die REM-Phasen des Schlafes zu Nutze macht. Es werden dabei die negativen Emotionen, die im Limbischen System (Emotionszentrum im Gehirn) feststecken, in das Großhirn weitergeleitet und somit verarbeitet. In der Praxis sieht das so aus, dass Themen wie Prüfungsangst, Präsentationsangst, Flugangst usw. verarbeitet und dann gelöscht werden. Es ist nicht das Ziel, mit der Angst umgehen zu lernen, sondern sie zu löschen. Mit Hilfe eines Muskeltests findet man die Ursache des Angstzustandes. Es ist wie Detektivarbeit. Speedcoaching nenne ich es deshalb gerne, da es mit 3 bis 5 Sitzungen erledigt sein sollte.

 

Wann ist ein Speedcoaching sinnvoll?

Speedcoaching ist einsetzbar, um Ängste und Blockaden zu lösen, aber auch um sportliche Höchstleistungen abrufen zu können. Alles andere fällt unter das „normale Coaching“. 

 

Wie viele Sitzungen werden in der Regel benötigt, um den Leistungsstress von Kindern und Jugendlichen auf ein gesundes Maß zu reduzieren?

Das kann man nicht genau sagen, da es typabhängig ist und die Schwere der Gründe ausschlaggebend ist. Bei manchen Kindern kann es sehr schnell gehen, andere brauchen länger. Allerdings bin ich der Meinung, alleine das Kind zu unterstützen reicht nicht; auch eine Zusammenarbeit mit den Eltern ist notwendig, da sie die schnelle Erholung der Kinder fördert.

 

Welche Tipps können Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

„Weniger ist mehr!“ lautet hier mein Tipp. Kinder dürfen bzw. müssen sich auch langweilen. Nur in diesen Phasen gelingt es kreativ zu sein und sich selbst zu spüren – „was will ich, was schaffe ich noch?“ Freies Spielen ist essenziell. Das organisierte Freizeitprogramm sollte auf das Minimum reduziert werden.

 

Liebe Frau Platzek, ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch und die vielen Tipps.

 

So können Sie Stress reduzieren:

  • Atemübungen helfen. Tief einatmen und lange ausatmen. 
  • Kaugummikauen hilft bei der Konzentration. 
  • Ein ätherischer Duft – wie Zitrone oder Lavendel – beruhigt.
  • Viel trinken schwemmt das Stresshormon Cortisol aus.
  • Mit den Augen eine Achterschleife blinzeln oder sanfte Musik beruhigen ebenfalls.

 

Unsere Expertin: 

Dipl. Päd., Dipl. LSB Angelika Platzek | sysdem – Coaching, Mediation, Hypnose, Wingwave | Carl-Maager-Straße 21 | 5020 Salzburg | Tel.: +43 664 4517005 | www.sys-dem.com

Related posts