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Monday, October

Regionale Bräuche: Der Buttnmandllauf in Berchtesgaden
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Regionale Bräuche: Der Buttnmandllauf in Berchtesgaden

Regionale Bräuche: Der Buttnmandllauf in Berchtesgaden

Bilder:  R. Rudolphi (1), Rosenhofer (2) Berchtesgadener Land Tourismus

Jedes Jahr am 5. und 6. Dezember ist es in Berchtesgaden und den umliegenden Gemeinden wieder so weit: Der vorweihnachtliche Brauch des Buttnmandllaufens wird zelebriert. Bei dem von Ort zu Ort etwas unterschiedlich ausgeführten Brauchtum handelt es sich um ein Ereignis, das die Einkehr des Nikolaus feiert; und von Jahr zu Jahr finden sich immer mehr Schaulustige ein, um die Buttnmandln zu bestaunen. Aufgrund der steigenden Beliebtheit dieses Brauchs haben wir uns näher mit seiner Herkunft und dem genauen Ablauf befasst.

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Das Buttnmandllaufen – von bayerisch „butteln“ = scheppern, rütteln – ist ein Adventsbrauch in Berchtesgaden, der ursprünglich in den drei heiligen Rauhnächten 24.12., 31.12. und 5.1. praktiziert wurde. Aufgrund der Zusammenlegung mit dem Einkehrbrauch des heiligen Nikolaus wurde es ab etwa 1730 üblich, den Buttnmandllauf in die vorweihnachtliche Zeit zu verlegen, so dass spätestens ab Heiligabend die ruhigen und besinnlichen Tage im Vordergrund stehen.
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Die Vorbereitungen für den Einkehrbrauch beginnen schon in den frühen Vormittagsstunden des 5. Dezembers. Die Buttnmandln und die Ganggerln, die die unheiligen Begleiter des Nikolaus darstellen, treffen sich gemeinsam mit ehemaligen Mitgliedern der Gruppe, um ihre Kostüme anzulegen. Das bis auf die Masken und Glocken meist selbstgestaltete Gewand besteht aus gedroschenem Stroh, das von den Buttnmandln selbst schon im August oder September geerntet werden muss. In stundenlanger Arbeit wird das Stroh mühsam so um den Körper der Männer gebunden, dass später nur noch deren schwarz angemalte Arme und die furchterregende Maske hervorschauen. Das Fellgewand der Ganggerln, zu dem ein breiter Ledergürtel mit schweren Glocken, eine Rute und die Maske gehören, ist hingegen einfacher handzuhaben.

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Im sanften Licht der Abenddämmerung beginnt der Buttnmandllauf mit der Abholung des Nikolaus und seiner Engerl aus einer verschlossenen Scheune. Mit unheimlichem Geschrei und mit lautem Geläut der Glocken, das zum einen Dämonen abschrecken und zum anderen das neue Jahr einläuten soll, brechen die Buttnmandln und Ganggerln auf. Wie es der Brauch verlangt, beginnt der Lauf jedes Jahr mit einem gemeinsamen Gebet, zu dem sich alle Mitglieder versammeln.
Beim „Vater unser“, „Gegrüßet seist du, Maria“ und beim „Engel des Herrn“ für die Verstorbenen müssen alle ihre Loavn – Fell- und Holzmasken mit langen Hörnern und schiefen Grimassen – abnehmen, zum Schluss werden sie mit Weihwasser gesegnet. Danach erklärt der Buttnmandlmeister die Laufroute und bläst zum Start in ein Kuh- oder Ochsenhorn. Die Pass, wie man die gesamte Gruppe bezeichnet, startet ihren Lauf, der bis in die späten Abendstunden dauert, erneut mit fürchterlichem Schreien und Geschepper. Bei den bis zu 30 privaten Hausbesuchen werden keine fremden Zuschauer geduldet, weshalb die Ganggerln mit ihren Ruten dafür sorgen, dass sich kein Unbefugter den Höfen der Familien auf mehr als 300 Meter nähert. Nur auf den Laufstrecken von Hof zu Hof ist es Zuschauern erlaubt, das Spektakel zu beobachten. Sobald der ehrenwerte Besuch am Hof eingetroffen ist, begrüßt die Familie den Nikolaus mit den Worten „Gelobt sei Jesus Christus“. Der Nikolaus antwortet mit „In Ewigkeit, Amen“ und besiegelt damit – so der Glaube – den Schutz des Hofs vor dem Satan. Nachdem der Nikolaus mit seinen Begleitern eingetreten ist, bringt er die Ganggerln und Buttnmandln durch ein dreimaliges Klopfen mit seinem Stab zum Schweigen und beginnt mit seiner Verlesung aus dem goldenen Buch über die guten und die schlechten Taten der versammelten Gemeinschaft. Nach einem musikalischen Vortrag der Kinder und der Übergabe der mit Nüssen und Obst gefüllten Säckchen folgt das sogenannte „Stubn ausramma“. Die Buttnmandln jagen die Gesellschaft aus dem Haus, reiben die Hinausgetriebenen mit Schnee ein und machen die Gesichter mit ihren schwarzen Händen rußig. Am Abend des 6. Dezembers endet dann der alljährliche Buttnmandllauf mit einem Hoagascht beim örtlichen Wirt, einem gemütlichen Umtrunk, bei dem auch die weibliche Begleitung der wilden Mandl willkommen ist.

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Alles in allem ist der Buttnmandllauf in Berchtesgaden auf jeden Fall einen Besuch wert. Machen doch auch Sie heuer mit Familie oder Freunden einen winterlichen Ausflug zum Buttnmandllauf und lassen Sie sich bei Glühwein und Lebkuchen von dem urtümlichen und mystischen Treiben verzaubern.

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