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Monday, November

Herbstzeit ist Igelzeit
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Herbstzeit ist Igelzeit

Herbstzeit ist Igelzeit

Autor: Reinhard Hauff, Bilder: Silvia Hauff

Der September ist der Hauptgeburtsmonat der Igel. Der junge Igel hat dann nur noch ein paar Wochen Zeit, sich bis spätestens Anfang November das für den Winterschlaf notwendige Körpergewicht von 500 Gramm, besser 600 bis 700 Gramm, anzufressen. Erreicht ein Igel dieses Gewicht kurz vor dem Wintereinbruch nicht, spricht nichts dagegen, ihn zu Hause in einem geeigneten Nest überwintern zu lassen und ihn erst im Frühjahr in die Freiheit zu entlassen.

 

Solange der Igel gesund gepflegt und aufgefüttert wird, muss er bis zum Beginn der Schlafperiode, in einem warmen Raum untergebracht sein. In dem Raum, der für das vorbereitete Igelgehege vorgesehen ist, sollte eine Temperatur von 16 °C bis 20 °C herrschen. Er muss über Lichteinfall verfügen und gut zu lüften sein. Das Gehege sollte mindestens 2 m² groß sein. Damit es völlig ausbruchsicher ist, muss die Höhe der Seitenwände etwa 50 cm betragen. Dieses wird dann mit Zeitungspapier ausgelegt. 

 

In dem vorbereiteten Gehege benötigt der Igel unbedingt ein Schlafhäuschen. Hierzu eignen sich Kartons (z. B. Schuhkartons) mit etwa 30 cm Kantenlänge. Der Karton muss nach oben geschlossen sein. An einer Seite schneidet man ein Schlupfloch von ca. 13 x 13 cm. Das Schlafhaus wird mit reichlich zerrissenem und/oder zerknülltem Zeitungspapier gefüllt. Mindestens einmal in der Woche sollte man das Papier austauschen. Erst für die eigentliche Zeit des Winterschlafs sollte der Igel dann an einen Ort mit niedrigen Temperaturen gebracht werden, damit er wirklich zur Ruhe kommt. Diese Temperatur sollte dann nicht über 6 °C liegen. Erst dann stellt man das Igelgehege in ein sehr kaltes Zimmer, auf den Balkon, auf die Terrasse oder in das Gartenhäuschen. Kellerräume sind in der Regel schon zu warm und nicht zur Überwinterung geeignet.

 

Bei der Zusammenstellung des Igelfutters (auch zur Zufütterung im Garten) nimmt man Katzendosenfutter (nur Pasteten ohne Gelee und Soße), kurz angebratenes Rinderhack oder gebratene Eierspeisen, beides ohne Fett, Salz und Gewürze. Obst, Gemüse und vor allem Milchprodukte sind keine Igelnahrung. Niemals Milch geben, nur Wasser. 

 

Wenn Sie das Aufpäppeln junger unterernährter Igel oder kranker Igel nicht selbst übernehmen wollen, wenden Sie sich an die Igelstation am Mondsee (Tel.: +43 664 1115642) oder an die Hotline von Proigel (Telefon: +49 180 55519555). Das Endziel im Frühjahr ist dann die Auswilderung. Warum nicht im eigenen Garten? 

 

Doch da zeigt sich schon wieder der größte Feind des Igels: der Mensch mit seiner hoffnungslosen Ordnungsliebe, seinen aufgeräumten blitzsauberen Gärten. Kein Blättchen, kein Zweiglein darf herumliegen; das verträgt der Ordnungssinn nicht. Dem Igel ist bestens geholfen mit einem natürlichen, mäßig aufgeräumten Garten mit Laubhäufen und zugänglichem Kompost. Oft reicht ein mit Tannenzweigen abgedeckter Reisig- und Laubhaufen bereits aus, um dem Igel ein dauerhaftes Quartier zu geben. Ideal ist ein an einem geschützten, schattigen Ort, möglichst unter Sträuchern oder an einer Wand positioniertes Igelhaus, das mit Stroh gefüllt wird. Oder man überzieht eine Holzpalette mit Dachpappe und bedeckt diese mit Reisig und z. B. Buchenblättern. Aus eigenen Erfahrungen kann ich hier bestens das Vivara Igelwohnhaus XXL (www.vivara.de/igelwohnhaus-xxl.html) empfehlen. Kurz vor dem Winter legen Sie dann an trockenen Tagen noch zusätzlich etwas Stroh vor den Eingang, damit sich der Igel sein Wohnzimmer selbst noch gemütlich einrichten kann. 

 

Verzichten Sie des Weiteren in Ihrem Garten unbedingt auf Schneckenkorn, Moosentferner und anderen giftigen und umweltzerstörenden Unsinn. 

Weitere wichtige Hinweise zum Thema Igel im Garten, finden Sie natürlich im Internet oder in dem Buch „Igel in unserem Garten“, erhältlich im KOSMOS-Verlag um 8 Euro.

 

Ihr Reinhard Hauff 

Vorstand des Tierschutzvereins ProtesTIERE und Mitglied im Vorstand des Tierschutzvereins Bad Reichenhall und Umgebung e. V. 

 

Kontakt und Informationen:

Tierschutzverein Bad Reichenhall und Umgebung e. V. | Teisendorfer Str. 52

83435 Bad Reichenhall | Tel.: +49 8651 2665 | Notfallrufnummer: +49 173 5729219   

www.tierschutzverein-bad-reichenhall.org

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